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"Regen" auf Platz 10 in den Austrian Single Charts

28.01.2008 Leise Töne. Valerie ist kein Popsternchen, das anlässlich der Ö3-Kampagne „Die neuen Österreicher“ schnell erfunden werden musste, sie ist eine der interessantesten Stimmen und Interpretinnen des Landes. Es braucht nur etwas Zeit, bis das auffällt, denn sie setzt ihre Stimme wohldosiert ein. Man muss nicht brüllen, um Intensität zu erzeugen, oft sind die leisen Töne stärker. Valerie profitiert dabei von einer Jazzgesangs-Ausbildung und ihrer Liebe zum Chanson, sie hat aber auch schon einige Erfahrungen im Popbusiness gesammelt. Anfang der Neunziger veröffentlichte sie als Teenager zwei Singles, später war sie Mitglied in der Girlband c-bra. Beide Versuche verliefen weder besonders erfolgreich noch desillusionierend, als Erfahrungen können sie ihr heute auf jeden Fall nützlich sein. Denn als eine Frau, die auch durch ihre ausnehmende Schönheit auffällt, wird Valerie bald nicht nur Musikmedien, sondern auch die Regenbogenpresse interessieren. Sie weiß, wie sie damit umgehen möchte: „Das Musikgeschäft ist exhibitionistisch, aber ich will möglichst nicht über mein Privatleben reden. Ich hoffe, es vermeiden zu können, dass irgendwann in der Zeitung Sachen stehen wie: ,Valerie ist wieder Single.’“ Wie viel von sich und seiner Seele verkauft man, sobald man in der Öffentlichkeit steht? Wie bleibt man authentisch? Das sind Fragen, die der Sängerin durch den Kopf gehen, die sie für sich meist aber aus dem Bauch heraus beantwortet.
Leichtigkeit des Seins. In den zwölf Songs auf Picknick, die vom L’amour-Hatscher über Reggae bis zum Bossa Nova stilistisch breit gefächert sind, nimmt Valerie verschiedene Rollen und Blickwinkel ein. Alle Stücke basieren jedoch auf ihrer Persönlichkeit. „Es sind verschiedene Facetten von mir, die ich ausdrücke“, erzählt sie. „,Picknick’ zum Beispiel ist wirklich anlässlich eines Picknicks entstanden, bei dem ich eine komische Mischung aus Fröhlichkeit und Weltuntergangsgefühl empfunden habe. ,Noch einmal’ ist einfach ein Disco-Aufreißsong. Ich gehe manchmal in die Disco, aber wie das dort kommunikationstechnisch abläuft, ist es für mich unbefriedigend.“ Picknick wird bestimmt von einem Gefühl der Leichtigkeit, hinter dem sich jedoch eine große Sehnsucht verbirgt. Auch die Musik ist so gemacht, dass sie sich angenehm im Hintergrund hören lässt, man kann aber auch genauer auf die Texte achten. Geschrieben hat Valerie diese zusammen mit David Bronner, der die Platte auch produziert hat. Die Ideen stammen von ihr, ausgearbeitet wurden sie dann zusammen mit Bronner, der ein Sohn des kürzlich verstorbenen Doyens des österreichischen Kabaretts Gerhard Bronner ist. „Es ist ein trauriger Anlass, aber ich bin sehr stolz, dass ich mit ,Zeit’ das letzte Lied, das er noch geschrieben hat, singen darf“, erzählt Valerie. „Ich könnte nicht sagen, dass ich ihn sehr gut gekannt hätte, aber ich habe ihm öfters etwas vorgesungen und sein Geist schwebt über der Platte.“
Verständliche Texte. Ein Lied darauf trägt den Titel „Larzac“. So heißt die Region in Südfrankreich, in der Valerie seit einigen Jahren einen Wohnsitz hat und in der auch der kleine Ort Saint Privat liegt. „Es ist ein Gebirgszug, wo sich in den Siebzigern Hippies angesiedelt haben“, erzählt die Sängerin, die als Tochter eines Diplomaten in Moskau aufgewachsen ist und auch schon in den USA gelebt hat. „Ich assoziiere mit der Gegend Freiheit, Stille und Kraft. Mir ist Natur sehr wichtig und ich lebe dort sehr abgeschieden. Da gibt es kein Geschäft, kein Café, nichts. Genauso gern bin ich aber auch in Wien, die ganze Zeit über nur Stille würde ich auch nicht aushalten.“ Beeinflusst durch die neue Umgebung und die Zusammenarbeit mit französischen Musikern, wollte Valerie ihr Soloprojekt ursprünglich mit französischsprachigen Liedern bestreiten. „Ich habe damit begonnen und auch sehr viel Freude am Schreiben auf Französisch gehabt“, erzählt sie. „Es ist viel schwieriger, Texte auf Deutsch zu schreiben, aber letztendlich fiel mir die Entscheidung leicht. Ich will ja, dass man meine Lieder versteht. Und als der Plan dazu mal fix war, sind mir bei der Entstehung der Platte viele Knöpfe aufgegangen.“ Als Bonus sind auf Picknick noch zwei von Valeries französischen Liedern enthalten. Eben „Larzac“, das vom Streben nach Freiheit handelt, sowie das nicht minder schöne „Crime“, eines ihrer ältesten Lieder („Es handelt davon, dass ich meine Jugendsünden in einem Koffer verschließe“). Weiters eher melancholisch gestimmt sind „Übermorgen“ und „Zeit“; dem stehen in der ersten Albumhälfte poppigere Nummern wie der Hit „Mädchen“ (aus der Sicht eines Mannes geschrieben, mit dem Refrain „Mädchen sind doof“) oder die Dreiecksgeschichte „Romeo“ gegenüber. Altmodisch? Sicher, in manchen Liedern spielt Valerie das alte Spiel „gutes Mädchen, böses Mädchen“ – aber sie spielt es eben nur, und noch dazu geschickt. Man sollte keineswegs meinen, es hier mit einem naiven Dummchen zu tun zu haben. „Mir sind Themen wie Gleichberechtigung sehr wichtig“, erzählt Valerie. „In der Pubertät hatte ich eine Phase, wo ich Simone de Beauvoir verschlungen habe und ziemlich besessen davon war. In den letzten Jahren habe ich mich etwas gemildert, aber interessieren tut mich Feminismus nach wie vor.“ So dürften Sorgen, dass sich Valerie nach „Mädchen“ auf eine Rolle festlegen lassen könnte, unberechtigt sein. Natürlich will sie Erfolg haben, darauf hat sie lange hingearbeitet, aber nicht um jeden Preis. „Ich sehe mich im Prinzip auch mehr als Chansonette denn als Popsängerin“, sagt sie. „Wahrscheinlich bin ich ein bisschen altmodisch.“ Umso schöner, wenn sich mit dieser Einstellung die Charts aufmischen lassen.
Sebastian Fasthuber im "now" Magazin

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