Von weißen Mäusen und Visionen
11.01.2012 

Von weißen Mäusen und Visionen
Wie Ihr vielleicht aus den Medien entnommen habt, habe ich mich zu einer Teilnahme beim österreichischen Vorentscheid - im Rahmen einer ORF eins-Show am 24.02. via Televoting - für den Grand Prix de la Chanson entschieden.

Ich bin in der angenehmen Situation, in der nächsten Zeit kein Album promoten zu müssen. Hinter mir steht nicht der Druck einer Plattenfirma. Ich reise nur mit einem guten Song im Gepäck, habe ein tolles Team, Freunde und Berater an meiner Seite, und eine weiße Maus am/im Kopf. Mit andern Worten: mir ist die Gratwanderung dieser Reise bewußt, aber auch die Chance. Anders formuliert: ich habe eine Vision…

Wichtig: Musik ist ein Mittel der freien Meinungsäußerung. Diesbezüglich wünsche ich mir, dass der Song Contest dieses Jahr dazu beiträgt, dieses Thema in einem Land wie Aserbaidschan aufzugreifen und Veränderungen herbeizuführen.

Was Österreich betrifft: es hat als Musikland weiterhin einen Ruf zu verteidigen.
Die Bedingungen und Wertungen sind in den letzten beiden Jahren wieder fairer geworden, wenngleich Österreichs Startvoraussetzungen nach wie vor schwierig sind.

Nichts desto Trotz steht die weiße Maus auch symbolisch für die Frage, wie es um Österreichs Selbstwert und Selbstbild bestellt ist?
Der Song Contest erinnert uns daran, dass Musik eine grenzüberschreitende Sprache ist und dass es auch eine europäische Musikkultur gibt.

Losgelöst von diesen Themen, habe ich persönlich Spaß an der Herausforderung…und an diesem Song. Und ich möchte auf diesem Weg Österreich Danke sagen für die vielen lehrreichen Musikjahre - durch meine Ausbildung, aber noch viel mehr durch die Inspiration der Vielfalt an Musik, die immer in Österreichs Luft schwebt. Und ausnahmsweise sehe ich das Ganze mit österreichischer Gelassenheit:
‚Wie‘s kommt, so kommt’s..‘ - ,Comme Çi Comme Ça‘, wie das Motto meines mehrsprachigen Liedes mit dem Titel ‚Comme Ça‘ heißt.

Vorgestern fand die Pressekonferenz zur Präsentation der Lieder für die österreichische Vorentscheidung statt. Da nur Halbplayback erlaubt war, habe ich mich alleine auf die Bühne gestellt, das heißt, statt eines Luftgitarristen hatte ich eben eine weiße Maus am Kopf.
Diese warf Fragen auf. Die hier noch ausständigen Antworten lauten:
Show und Outfit werde ich mit meinem wunderbaren Team bis zum 24.2. entwickeln, wir sind mit viel Freude bei der Sache.
Und: nur wer manchmal weiße Mäuse sieht, hat auch Visionen. (Schade nur, dass das Mumok doch keine Ohren von Herrn Oldenburg aufgesetzt bekommt.)

Ich hoffe, der Song ‚Comme Ça‘ wird Euch ebenso gute Laune machen wie mir!
Auf der Startseite meiner Homepage: http://www.valeriesajdik.com – könnt Ihr reinhören.
Ich freue mich über Reaktionen, Zuspruch und Voting-Clicks in den verschiedensten Foren!
come soon.. and vote: 
http://www.eurovision-austria.com/?p=3212 
und auf http://oe3.orf.at/songcontest/stories/541547/,


Hier meine persönlichen Anregungen/Impulse/Inspirationen für den Songcontest:
http://www.youtube.com/watch?v=CtG35bfaSXg&feature=related (Merci, cherie)
http://www.youtube.com/watch?v=S6xGnAFFbo8&feature=related (Poupee de cire, Poupee de son)
http://www.youtube.com/watch?v=ma5BOoSpB4E (Comment te dire adieu)
http://www.youtube.com/watch?v=SbyAZQ45uww&feature=related (These boots are made for walkin)
http://www.youtube.com/watch?v=NXIgqfQCo3U (For me formidable) 

Mit einem "Like" Click auf meiner Facebookseite werdet Ihr immer mit aktuellen Infos am Laufenden gehalten. http://www.facebook.com/valeriemusic 

Viele liebe Grüße, Eure Valerie



Die Verdichtung der Welt. (Dezember 2011)
Manchmal verdichtet sich die Welt. Menschen treffen sich an ungewöhnlichen Orten (wieder). Manchmal sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig da.

In Wien lernte ich vor kurzem den französischen Chansonnier Olivier L´Hôte kennen im Zuge des Brassens Festivals, wo ich mit der Steptänzerin Sabine Hasicka aufgetreten bin. Nicht nur dass er aus dem Süden Frankreichs kommt, er ist auch zwei Wochen später in der kleinen Nachbarstadt von Saint Privat aufgetreten, jener Stadt, wo ich jeden Samstag auf den Markt gehe. Ich war also bei diesem Konzert, und wurde dort von einer Gruppe Deutscher angesprochen. „Sind Sie Fr. Sajdik? Wir haben Ihre Cds und mögen Ihre Musik!“ Später stellte sich heraus, dass einer der Herren im selben Haus wohnt wie meine Mutter in Berlin.

Olivier L´Hôte wiederum lernte in Wien einen anderen, wunderbaren Künstler und Sänger kennen, Samuel Veyrat vom Duo From&Ziel. Samuel rannte aufgestachelt zu mir und rief: „Das gibt’s nicht, dieser Typ kommt aus demselben Ort wie ich!“ Es handelt sich dabei um ein verlorenes 300 Seelen Dorf wie Saint Privat. Sie sind sich dort noch niemals begegnet.

Manche Orte ziehen bestimmte Menschen an oder bringen besondere Menschen hervor. 

In Saint Privat lebt ein klassischer Gitarrist, Philippe Cornier, der international unterwegs ist. Der weiß viele Geschichten. Seine ersten Gitarrestunden bekam er von Nat Price, der sich in den 70ern in Saint Privat angesiedelt hat, keiner weiß, warum... Er war einfach eines Tages da. Früher war er mit Louis Armstrong auf Tournee als sein Gitarrist .

Bestsellerautor Ian Mc Ewan schrieb in Saint Privat seinen preisgekrönten Roman „Black Dogs“. 

Francois Mitterand verbrachte mehrere Sommer hier, lud Schriftsteller und Künstler ein, darunter die Sängerin Dalida, die für mich ein großes Mysterium darstellt.

Ich fand vor kurzem ein paar alte Ausgaben von Paris Match aus den 80ern, da sah man Mitterand mit Gaddafi im Zelt sitzen und über den Abzug der Truppen aus dem Tschad diskutieren... Vor ein paar Tagen sah man Gaddafi tot auf einem Foto im Midi Libre, der frz. Tagesteitung des Südens. Warum drucken Zeitungen so etwas?

Letzte Woche war ich bei einer befreundeten Malerin, Math, sie lebt jetzt im Pflegeheim, und dieses hatte eine Ausstellung für sie organisiert. Sie stellte viele alte Ölbilder, vor allem Porträts ihrer Bekannten aus den 60ern und 70ern aus, als sie noch in Paris Montparnasse ein Atelier hatte. Und auch von später, als sie viele Sommer an der Côte d´Azur verbrachte, bis sie sich schließlich ganz in Saint Privat niederließ. Ein Porträt beschäftigte mich besonders und ließ mich nicht los. Es stellte eine düster dreinblickende Frau dar, ganz in schwarz, mit einem weißen Hund auf den Knien. Ich fragte Math, wer diese Frau ist. „Das? Das ist Nancy, Malerin aus Australien, sie lebte mit Nat Price in Saint Privat“. Mehr verriet sie nicht. 

Alles (ver)dichtet sich, aber die Bedeutung, wenn es denn eine gibt, sie bleibt oftmals verborgen.